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Mama, ich kann nicht schlafen

Annemarie Pfeifer

Die Angst geht um. Eine Zürcher Studie geht davon aus, dass bis zu 12% der Kinder und Jugendlichen unter einer Angststörung leiden. Wie können wir die Angst besiegen?

 „Jeden Abend erleben wir das selbe Theater“, erzählte eine Mutter in der Beratung. „ Kaum haben wir unsere 3jährige Tochter ins Bett gebracht, mit ihr gebetet und das Licht gelöscht, beginnt sie zu weinen. 5 Minuten später steht sie schluchzend im Wohnzimmer und wimmert, sie habe Angst. Manchmal schläft sie erst um 23 Uhr ein und oft stört sie uns auch mitten in der Nacht. Am nächsten Tag ist sie dann sehr gereizt und auch ich komme an den Rand meiner Kräfte.“  Leidet dieses Kind nun an einer Angststörung oder will es sich ganz einfach nicht vorschreiben lassen, wann es schlafen muss? 

Angststörungen entstehen aus einem Zusammenspiel von mehreren Faktoren wie den genetischen Vorbedingungen, dem sozialen Umfeld und der Lebensgeschichte. Wird ein Kind mit einem ängstlichen, schüchternen Temperament zusätzlich mit einem Angstauslöser wie einem Schulwechsel oder einem Verlusterlebnis konfrontiert, kann eine Störung entstehen. Wichtig ist dann aber, wie die Eltern mit der Angst umgehen: Werden die angstauslösenden Situationen vermieden, wird es nur schlimmer.

Angst ist nicht einfach ein Schicksal, dass man hinnehmen muss. Je offener man sich ihr stellt, desto weniger kann sie uns beherrschen.

Das Einschlafritual

Die Vorbereitung zur Ruhezeit beginnt schon lange vor dem letzten Gute-Nacht-Kuss. Schon das gemeinsame Abendessen bietet die Möglichkeit, den Tag zu verarbeiten und langsam zur Ruhe zu kommen. Die Aktivitätskurve sollte langsam und stetig bis zum Einschlafen absinken. Es bewährt sich, ein festes Abendritual, das dem Alter des Kindes entspricht, einzuführen; z.B. Abendessen - ein ruhiges Spiel mit dem Vater - ausziehen, Zähne putzen, Besuch auf dem WC - eine kurze Geschichte im Bett erzählen oder eine Zeit des Austausches - ein gesungenes oder gesprochenes Abendgebet - Licht löschen - keine weiteren Serviceleistungen mehr.

Das Spiel mit der angeblichen Angst

Was tun, wenn ein Kind nicht im Bett bleibt? Achten sie einmal darauf, was ein Kind mit seinem Verhalten gewinnt. Erobert es sich eine Extraportion Aufmerksamkeit, indem Mama oder stundenlang an seinem Bett sitzt und es beim geringsten Seufzer streichelt?  Landet es schliesslich bequem mitten im Ehebett, während die Eltern sich mit dem Rand begnügen müssen? Je mehr ein Kind durch sein Verhalten gewinnt, desto harter wird der Kampf  um eine Veränderung.

Oft braucht es einige Nächte, bis das Kind sich an den reduzierten Service gewöhnt. Die Tränen des Kindes sind aber längst nicht immer Ausdruck der Angst. Vielleicht schreit es einfach aus Wut darüber, dass es seine Eltern nicht mehr länger an sich binden kann.

Die Angst zulassen, nicht ausweichen:

Kinder müssen lernen, gewisse Ängste auszuhalten. Jedes Mal, wenn man der Angst nachgibt, steigert sie sich, und man wird von ihr gleichsam verschlungen. Mit jedem Ausweichen wächst die Angst, und gleichzeitig schmilzt das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, dass man sie überwinden könnte. Deshalb gilt für ängstliche Kinder die Faustregel, dass sie den gefürchteten Ereignissen nicht ausweichen dürfen. Es stärkt das Selbstbewusstsein, wenn sie lernen, dass sie auch unangenehme und schwierige Umstände mit der Hilfe der Eltern bewältigen können.

Den Inhalt der Angst ausdrücken:

Angst ist oft ein vages Gefühl, und man weiss deshalb nicht, wie man sie angehen soll. Darum ist es wichtig, dass sie ein Gesicht erhält. Vor was fürchtet sich Ihr Kind in der Schule? Welche Phantasien hindern es am Einschlafen? Was könnte ihm die gefürchtete Spinne antun? Was könnte der geliebten Mama oder dem Papa geschehen?

Strategien zur Überwindung entwickeln:

Du kannst es! Diese Botschaft soll das ängstliche Kind immer und immer wieder hören. Natürlich geht das nicht in einem einzigen Schritt, sondern es ist ein Wachstumsprozess. Sammeln Sie gemeinsam mit dem Kind Ideen, wie es die schwierige Situation meistern könnte. Vielleicht kann es seine Nachtangst überwinden, wenn die Tür einen Spalt breit offen bleibt und draussen ein schwaches Licht brennt oder wenn ein kleines Stecklicht Orientierungshilfe gibt. Vielleicht wirkt es beruhigend wenn ein Geschwister im gleichen Zimmer schläft oder wenn es sich an seinen geliebten Teddybär kuscheln kann.

 


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