„Wenn Du mich strafst, dann schreie ich so laut, dass Du Ohrenschmerzen kriegst.“ Mit blitzenden Augen starrte der kleine Junge seine Mutter an. Wird er auch diesmal mit einer Strafpredigt davonkommen und das angedrohte Fernsehverbot abwenden können?
Kinder kennen erstaunlich viele Tricks, um das Verhalten ihrer Eltern zu beeinflussen.
Warum lassen wir uns immer wieder umstimmen, obwohl wir genau wissen, dass Kinder berechenbare Grenzen brauchen? Ihr Selbstwert wird nicht stärker, wenn man sich ihrem Willen beugt. In der Auseinandersetzung mit den Eltern lernen sie sich selbst kennen, trainieren ihre Willenskraft und bilden sich eine eigene Meinung. Auseinandersetzungen sind zwar oft unangenehm und strapazieren die Nerven doch sie unterstützen das Kind in der Selbstfindung.
Die eigenen Motive kennen
Die Gründe für das Nachgeben sind vielschichtig: Vielleicht sind es die Tränen, die meine Konsequenz ertränken ich kann dem Kind diesen Schmerz nicht zumuten; oder es ist die Angst vor Liebesverlust, die mich einlenken lässt ich will die Beziehung zum Kind nicht zerstören; oder die Angst vor Unruhe, Geschrei und Lärm lässt mich nachgeben. Vielleicht habe ich aber auch impulsiv eine drakonische Strafe verhängt, die ich später selbst unzumutbar finde oder ich will das Kind schonen, weil es kürzlich eine Scheidung verkraften musste. Die Gründe für unkonsequentes Verhalten sind vielfältig, persönlich und oftmals unbewusst. Doch erst wenn wir unsere unterschwelligen Ängste kennen und mit ihnen umgehen lernen, können wir unser Verhalten ändern. In einer Art Selbstgespräch kann man sich beispielsweise so zur Konsequenz anspornen: „Es ist gut für mein Kind, wenn es sich einfügen muss.“ Oder: „Die Beziehung zu meinem Kind wird verbessert, wenn es weiss, woran es mit mir ist.“
Logische Konsequenzen statt Strafen
Für eine konsequente Erziehung hat sich am besten das Konzept der „logischen Folgen“ bewährt. Ihr Prinzip lautet: „Was der Mensch sät, wird er ernten.“ Wenn ein Kind die vereinbarten Regeln übertritt, muss es die unangenehmen negativen Folgen ertragen, welche zuvor mit den Eltern abgemacht wurden. Diese Folgen sollten in einem inneren Zusammenhang zum Fehlverhalten stehen: Wenn ein Kind nicht innerhalb der vereinbarten Zeit aufräumt, bleibt keine Zeit zum Fernsehen; wenn es andere schlägt oder beleidigt, muss es Wiedergutmachung leisten; wenn es etwas mutwillig beschädigt, muss es den beschädigten Gegenstand reparieren oder bezahlen usw. Die möglichen Folgen für das Übertreten einer Familienregel werden mit dem Kind in einer ruhigen Minute besprochen und nachher ohne Strafpredigt angewendet.
Dieses Erziehungsmittel lässt dem Kind einen Entscheidungsspielraum, denn es bestimmt selbst, ob es die Abmachung einhalten möchte, oder ob es die logischen Folgen seines Handelns ertragen will. Die Verantwortung liegt auf seinen Schultern und seine Selbstachtung bleibt erhalten, denn es hat die negative Folge ja selbst gewählt.
Die ausgelösten Gefühle aushalten
Kinder werden die unangenehmen Folgen nicht mit einem Lächeln abtun. Je nach Temperament werden sie Krokodilstränen weinen, einen Wutausbruch vorführen, die Türen knallen oder sich trotzig ins Schicksal fügen. Lassen sie sich von diesen Gefühlen nicht zu sehr berühren oder gar weich klopfen. Zeigen Sie Verständnis und Mitgefühl, aber bleiben Sie fest. Es ist wirklich traurig, dass mein Kind die Abmachung gebrochen hat. Aber es trägt selbst die Verantwortung für seine missliche Lage. Sprechen Sie ihm Mut zu, indem Sie ihm versichern, dass sie ihm zutrauen, dass es sich beim nächsten Mal korrekt verhalten kann.
Die unangenehme Situation wird stark entschärft, wenn man die vereinbarte Folge möglichst schnell und sachlich durchzieht. Das Kind lernt durch die Folge mehr, als durch einen ärgerlichen Redeschwall. Ist es nicht viel sinnvoller, wenn wir uns die langen Ermahnungen ersparen und dem Kind nachher wieder positive Aufmerksamkeit schenken?
Schritte zu einer konsequenten Haltung
- Beobachten Sie 1 Woche lang täglich Ihr Verhalten und schreiben Sie Ihre nicht konsequenten „Ausrutscher“ auf.
- Welche der oben beschriebenen Gründe führen zu meiner Inkonsequenz?
· Bei welchem Kind fällt mir Konsequenz besonders schwer? Gibt es Unterschiede?
· Wie konsequent ist mein/e Partner/in?
· Bei welchem Konflikt könnte ich eine logische Konsequenz einführen und diese dann konsequent durchziehen?
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