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Streit muss nicht sein!

Annemarie Pfeifer

Es ist manchmal zum Lachen, wie kleine Dinge zu einem grossen Konflikt anwachsen können. Ein Kind will morgens seine Milch nicht trinken – und schon ist der tägliche Machtkampf programmiert. Ein anderes ist zerstreut und vergesslich – das morgendliche Chaos scheint unumgänglich. Häufige Konfliktpunkte kann man entschärfen.


Jedes Familienmitglied hat seine eigene Methode, wie es mit einem Konflikt umgeht. Da wird lautstark diskutiert und geschrien, es herrscht eisiges Schweigen oder es wird gegenseitig Schuld zugeschoben. Je früher man schädliche Muster abbaut, desto besser stehen die Chancen, dass man die Weichen für ein friedliches Miteinander stellen kann. Ich will Ihnen fünf Arten der Konfliktbewältigung kurz vorstellen.

Gewinnen:

Viele Familien kennen beim Lösen von Konflikten vor allem zwei Strategien: Gewinnen oder nachgeben. Doch beide sind keine wirksamen Erziehungsmittel, denn sie verletzen die Achtung vor dem „Gegner". Bei einem Machtkampf sind - wer auch immer siegt, das Kind oder der Erwachsene - beide zuletzt Verlierer, denn mit dem Sieg wird der Grundkonflikt in der Regel nicht gelöst. Der besiegte Partner ist in seiner Selbstachtung angeschlagen und irgendwann wird er diese Kränkung heimzahlen.

Nachgeben:

Aber auch Nachgeben ist nicht befriedigend. Nachgeben verletzt die Achtung vor sich selber. Kurzfristig ist der Friede zwar wieder hergestellt, aber tief innen wächst eine Unzufriedenheit, weil die Anderen meine Bedürfnisse nicht wahrnehmen; eine Wut, weil niemand Rücksicht nimmt; eine Bitterkeit weil man sich ausgenützt fühlt. Irgendwann werden diese unterdrückten Gefühle mit unberechenbarer Gewalt an die Oberfläche der Beziehung brechen oder sie machen sich in einer anderen Form Luft, z.B. in Kopfschmerzen oder anderen psychosomatischen Beschwerden.
Durch Nachgeben kann man eine Konfrontation vermeiden. Diese Reaktion dient bei Eltern oder Kindern als Selbstschutz. Doch häufig zieht sie Märtyrergefühle nach sich und löst beim anderen Schuldgefühle aus.

Sich zurückziehen:

Bei schwereren Konflikten wird die Entmutigung so stark, dass man die Hoffnung auf eine Lösung aufgibt. So nimmt man sich gar nicht mehr erst die Mühe, etwas zu unternehmen. Man zieht sich zurück – körperlich – indem man aus dem Zimmer läuft, oder – seelisch – indem man innerlich abschaltet. Dadurch schützt man sich vor dem schmerzlichen Erlebnis der Konfrontation und einer möglichen Niederlage. Vor allem Teenager umgehen auf diese Art unangenehme Zusammenstösse.

Fauler Kompromiss:

Hier lautet die Devise: „Ich ein wenig, du ein wenig.“ Man hat erkannt, dass man auch etwas drangeben muss, doch man will auch etwas von Partner erhalten. Diese Methode nennt man „Kuhhandel“. Kompromisse können zu einer Lösung führen, aber sie können auch ein unbefriedigtes Gefühl hinterlassen, indem niemand zufrieden ist.

Lösen:

Durch das gemeinsame Gespräch und das Eingehen auf die Meinung des Gegenübers verändert sich hier die Einstellung und die Stimmung der beiden Konfliktparteien. Beide sind willig, sich Zeit zu nehmen, um in aller Ruhe über die Differenzen zu reden, bis man einen gangbaren Weg findet und der Konflikt behoben ist. Diese Art der Lösungssuche wird mit zunehmendem Alter der Kinder einen grösseren Raum einnehmen. Während man einem 4jährigen Kind noch klare Weisungen erteilen kann, muss man einen 16jährigen schon bedeutend mehr miteinbeziehen.

Stresszeiten vermeiden

Es gibt eine Menge gutorganisierte Familien, die wöchentlich eine Familienkonferenz abhalten, bei der sie alle Streitpunkte auf den Tisch legen und besprechen. Ich muss gestehen, dass wir das nie geschafft haben! Wir haben spontan eine Art Kriegsrat abgehalten, wenn gerade wieder mal ein Problem anstand. Dabei hat uns die sogenannte 4 mal 4 – Regel jeweils vor dem falschen Zeitpunkt bewahrt.

4 mal 4 Regel der Konfliktbewältigung

Sprechen Sie einen Konflikt zu den folgenden Zeitpunkten nicht an:
 vier Minuten nach dem Aufstehen
 vier Minuten vor dem Abschied
 vier Minuten nach dem Heimkommen
 vier Minuten vor dem Schlafengehen

Manchmal braucht es eine rechte Portion Selbstdisziplin, um den richtigen Moment zur Konfliktlösung abzuwarten und nicht einfach dreinzufahren. Aber es lohnt sich.
Nicht jede kleinste Auseinandersetzung muss psychologisch kompliziert verarbeitet werden. Die Eltern dürfen auch einmal ein Machtwort sprechen und Ruhe und Ordnung schaffen.
Tritt ein Konflikt aber immer wieder auf, sollte man ihn gezielter und nachhaltiger angehen. Zuerst braucht man zwar etwas Zeit, aber die wird mehr als wettgemacht, wenn der Streit nicht mehr weiter schwelt und dicke Luft erzeugt.
Im nächsten Beitrag beschreibe ich 5 Stationen auf dem Weg zum Familienfrieden.

Mit logische Folgen Streit verhindern

Streit bei Mahlzeiten:
• Streitparteien verlassen sofort das Esszimmer, keine weitere Verpflegung bis zur nächsten Mahlzeit.
• Rote Karte geben, dann Tisch verlassen
• Streitthema wird aufgeschrieben und auf nachher verschoben.
• Sitzordnung überprüfen – Streithahn zwischen Elternteile setzen

Streit beim Spielen:
• Erst bei starken Lautbelästigungen eingreifen oder Körperverletzung eines Kindes eingreifen Kinder dürfen Meinungsverschiedenheit kindlich austragen.
• Konfliktlösung anwenden, Kinder Vorschläge zur Lösung machen lassen
• Kinder wählen lassen ob sie friedlich teilen wollen oder für eine abgemachte Zeit allein sein wollen
• Ausnahmsweise „aggressives Kind“ separieren.


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Annemarie Pfeifer
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