Mein Sohn will nicht mehr beten. Langsam musste ich mir dies wenn auch ungern eingestehen. Unser Kind hatte uns bis dahin kaum Sorgen gemacht. Mit seinen vier Jahren war er anschmiegsam, aber auch keck und unternehmungslustig ein richtiger Junge. Doch nun streikte er: Beim Tischgebet blieb er stumm wie ein Fisch, beim Nachtgebet verzog er keine Mine oder versteckte sich unter der Decke. Was war nur los mit ihm?
Auch Kinder haben ein eigenes Gebetsleben. Oft sind sie uns Erwachsenen ein Vorbild, wenn sie ihre Anliegen vertrauensvoll mit dem himmlischen Vater besprechen. Aber auch sie müssen mit Enttäuschungen fertig werden und an der Beziehung zu Gott arbeiten. Wir Eltern können sie dabei unterstützen.
Drei Facetten des Gebets
Das Gebet kann man vielfältig ausgestalten.
Gott, das war super: Gott meint es gut mit uns und füllt unser Leben mit allem was wir brauchen. Danken ist deshalb ein wichtiger Teil des Gebets. Es lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das Positive und lässt auch Alltägliches in neuem Glanz erstrahlen. Danken bedeutet, dass ich nicht alles selbstverständlich hinnehme. Zufriedenheit und Genussfähigkeit sind die Früchte des Dankes.
Gott, bitte hilf mir: Mit Gott können wir auch die schwierigen Seiten des Lebens teilen. Wir dürfen vor ihm ausbreiten, was uns quält und belastet. Mit dem Alter wächst auch der Inhalt der Bitten. So dreht sich das Vorschulkind gedanklich vor allem um seine eigene Erfahrungswelt. Später wächst dann die Fähigkeit, die Nöte anderer wahrzunehmen und vor Gott zu bringen.
Gott, warum nur? Nicht immer erhört Gott alle unsere Wünsche. Auch Kinder werden trotz Gebet vor Schicksalsschlägen nicht bewahrt. Unser Junge verweigerte damals aus verständlichen Gründen das Gebet: Völlig unerwartet verlor er seinen kleinen Bruder, der uns durch den „Plötzlichen Kindstod“ entrissen wurde. Wir versuchten ihn damals zu trösten und sagten, dass der kleine Philip nun beim lieben Gott im Himmel wohne. Unser Sohn fand es gar nicht nett, dass er das Baby an diesen Gott abgeben musste. Mit so jemandem wollte er nichts mehr zu tun haben! Er brauchte Zeit, bis er sich wieder mit seinem himmlischen Vater anfreunden konnte. Kinder dürfen auch ihren Frust vor Gott ausbreiten.
Freies oder vorgegebenes Gebet?
Natürlich ist es am schönsten, wenn alle Familienglieder gemeinsam, in ihren eigenen Worten, mit Gott reden können. Für das freie Gebet gilt es jedoch einige Punkte zu beachten.
· Achten Sie die Privatsphäre Ihres Kindes! Gebet ist etwas sehr Persönliches. Vielleicht möchte es Jesus geheime Dinge anvertrauen, die seine Eltern nicht zu wissen brauchen. Kleine Kinder beten ohne Hemmungen, wie sie auch sonst ihre Gefühle ungeniert preisgeben. Ältere Kinder hingegen sind zurückhaltender - im täglichen Leben und im Gebet. Deshalb: Zwingen Sie ein Kind nie zum lauten Beten.
· Kritisieren Sie nie ein Kindergebet! Kinder drücken sich oft anders aus als wir so erfahrenen Erwachsenen. Freuen Sie sich über den kindlichen Glauben der Kinder, aber lachen Sie nie über seine oft noch unbeholfene, manchmal äußerst phantasievolle Ausdrucksweise.
Gewohnheit schafft Sicherheit
Auch gereimte Gebete können eine wertvolle Hilfe sein, denn es ist nicht leicht, ständig neue Worte für täglich Wiederkehrendes zu finden, wie das Danken für das Essen oder die Bitte um Bewahrung in der Nacht. Gute gereimte Gebete können zum Begleiter fürs ganze Leben wenden. Wie eine geduldig eingeritzte Inschrift im Granitblock der alten Festung Jahrhunderte überdauert, so hinterlässt das tägliche Gebet bleibende Spuren in der Seele der Kinder. Sie verhelfen uns zum Gespräch mit Gott, auch wenn man gefühlsmäßig nicht beten mag.
Gewohnheiten müssen nicht langweilig sein oder leer laufen. Füllen Sie den äußeren Rahmen des Tisch- oder Nachtgebets immer wieder neu mit verschiedenen Gebeten und Liedern, oder beten Sie zwischendurch auch mal frei.
>>Gewohnheiten sind zunächst Spinngewebe, später Kabel<<, sagt ein spanisches Sprichwort. Dies gilt auch für das Gebet. Durch regelmäßiges und beständiges Beten verbinden sich einzelne zarte Gebetsfäden zu einer tragenden Verbindung mit Gott.
Kriterien für Kindergebete
· Das Gebet sollte vom Kind verstandesmäßig erfasst werden können.
· Es muss wahr sein, im Sinne der biblischen Botschaft.
· Es sollte nicht verniedlichend wirken. Die Kinder sollen auch später dazu stehen können.
· Es soll kurz und einprägsam sein.
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