HOME ¦ DOWNLOAD-START ¦ SUCHEN ¦ SEMINARE ¦ BÜCHER ¦ LINKS ¦ CODE ¦

Sieben Schritte zum Familienfrieden

Annemarie Pfeifer

Konflikte gehören zum Familienleben. In manchen Familien werden sie lautstark ausgetragen, während in anderen im Flüsterton gekämpft wird. Das Leben in Beziehungen muss gelernt werden. Der geschützte Rahmen der Familie ist der beste Raum, wo Kinder ihre Gefühle und Meinungen ausdrücken können und im täglichen Miteinander Beziehungsfähigkeit eingeübt wird.

David kommt nach der Schule meistens zu spät nach Hause. Eltern und Geschwister ärgern sich, wenn sie mit dem Mittagessen auf ihn warten müssen. Alles Ermahnen und Schelten nützt nichts. Was tun?

In seinem Bestseller „Familienkonferenz“ beschreibt Thomas Gordin sieben Schritte, die zum Familienfrieden führen könnten.

I. Alle Konflikte auf der Grundlage gegenseitiger Achtung lösen:

Leider pflegen Familien untereinander manchmal einen Umgangston, den sie gegenüber Aussenstehenden nie verwenden würden. Man wirft sich Ausdrücke an den Kopf, die tief unter der Gürtellinie liegen oder man verfällt in einen militärischen Befehlston, den man sich von Fremden verbitten würde. Obwohl einem niemand näher steht als die eigene Familie, verhält man sich ausgerechnet ihr gegenüber nachlässig und grob. Zur Selbstkontrolle kann man sich fragen, ob man bestimmte Worte auch zu einem Nachbarskind sagen würde.

Mama könnte also zu David sagen: Es ist mühsam für die Familie, wenn wir auf dich warten müssen. Ich verstehe, dass es dir Spass macht, mit ihnen herumzuhängen, aber ich traue dir zu, dass du es schaffen kannst, dich rechtzeitig von ihnen abzusetzen.“

2. Den eigentlichen Streitpunkt genau bestimmen:

Der oberflächliche Streitpunkt umfasst nie den ganzen Konflikt. Oberflächlich gesehen streitet man vielfach über Kleinigkeiten. Doch hinter jedem Argument steckt auf beiden Seiten der Konfliktparteien die persönliche Betroffenheit. Schildern Sie den Konflikt deshalb möglichst neutral und achten Sie darauf, dass Sie einander weder beschuldigen noch herabsetzen.

Hier würde man mit David darüber reden, weshalb man sein pünktliches Erscheinen wünscht und was ihn abhält die Familienregel einzuhalten. Bei solchen Klärungsversuchen gibt es ein paar "Gesprächskiller", die man vermeiden sollte: "Jetzt übertreibst du aber!“ „Das stimmt gar nicht!“ „Du bist ja überempfindlich!"...

3. Mögliche Lösungen entwickeln:

Eltern und Kinder suchen gemeinsam verschiedene Lösungen des Problems. Dabei ist es äusserst wichtig, dass man die Vorschläge nicht bewertet, verurteilt oder lächerlich macht. Schreiben Sie alle Ideen ohne Kommentar auf. Nur wenn die Kinder ernst genommen werden, machen sie mit.

Auch für David wären verschiedene Lösungen möglich: Das Mittagessen beginnt später. --- David trägt eine Uhr, damit er weiss, wie spät es ist. --- Die Schwester erinnert ihn, wenn sie ihn sieht. --- Die Mutter spricht mit der Mutter seines Freundes, damit der auch schneller nach Hause geht. --- David kriegt kein Essen mehr, wenn er zu spät kommt. (Dies schlug seine Schwester etwas schadenfreudig vor.)

4. Die Alternativlösungen kritisch bewerten:

In dieser Phase bewertet man gemeinsam die vorgeschlagenen Lösungen. Was ist überhaupt durchführbar? Was befriedigt Eltern und Geschwister? Welcher Vorschlag bringt uns am nächsten zum Ziel?

Kritische Bewertung: Bei David`s Problem zeigte sich schnell, dass man nicht später essen konnte, denn Papa muss wieder an die Arbeit. Auch die Schwester liess sich nicht als Timer einspannen, denn das gäbe nur Streit. Das Streichen der ganzen Mahlzeit schien nicht angebracht, denn der Junge brauchte für den Nachmittag neue Energie.

5. Sich für die beste Lösung entscheiden

Dies geht nach diesen gründlichen Vorbereitungen recht schnell. In der Regel gilt, dass man bis ins Detail abspricht, wie die Abmachung ausgestaltet wird. Dabei sollte man ganz praktische Dinge ausdiskutieren, wie sauber, wie oft, wie genau und wann eine Aufgabe ausgeführt werden sollte.

Die Lösung wurde so vereinbart: Sascha war bereit, von nun an seine Uhr regelmässig zu tragen. Dazu handelte er noch zwei Tage Übergangszeit aus, um sich an die neue Heimkehrroutine zu gewöhnen. Als logische Folge wurde festgelegt, dass er nur ein Stück Brot als Mahlzeit vorgesetzt kriege, falls er sich nicht an die getroffenen Abmachungen halten würde.

6. Die Entscheidung ausführen

Diese Phase ist entscheidend: Normalerweise wird das Kind zuerst gegen die Vereinbarung kämpfen und die Konsequenz der Eltern austesten. Weder Mama noch Papa dürfen sich durch Tränenströme oder Wutausbrüche von der Durchführung der logischen Konsequenzen abhalten lassen. Nach wenigen Auseinandersetzung ist im allgemeinen das Ziel erreicht.

Auch bei David wirkte die Methode: Nach zwei trockenen Brotmahlzeiten, verbesserte sein Zeitgefühl sehr schnell.

7. Nachfolgende kritische Bewertung:

Nicht alle Abmachungen stellen sich in der Praxis als gut heraus. Deshalb ist es wichtig, dass man nach einiger Zeit eine Erfolgskontrolle durchführt. Manche Lösung am grünen Tisch erweist sich in der Durchführung wenig sinnvoll. Auch in der Erziehung lernt man am besten durch Versuch und Irrtum.


Bücher von
Annemarie Pfeifer
****

Erziehung mit Liebe und Konsequenz.

Oncken.


Wenn Kinder aus der Reihe tanzen

Wenn Kinder aus der Reihe tanzen.

Brockhaus.


Mütter sind nicht immer Schuld!

Brockhaus.