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Nein, diese Suppe ess ich nicht!

Annemarie Pfeifer

„Nein, diese Suppe ess ich nicht...“ Wer kennt sie nicht, die tragische Geschichte vom heiklen Suppenkaspar. Lange bevor Essstörungen zu einem Modethema wurden, mussten sich Eltern anscheinend mit den Tücken der Fütterung des Nachwuchses auseinander setzen.

Die Mahlzeiten sind oft der einzige Zeitpunkt, wo sich die ganze Familie trifft. Deshalb sollten sie eine Oase der Gemeinschaft, des Auftankens und der Stärkung sein. Doch leider sind die Gaumenfreuden nicht immer ungetrübt.  Entwertende Kritik, Streit und hitzige Auseinandersetzungen vergiften das beste Essen.

Damit das Essen zum Genuss wird

Bei den Mahlzeiten geht es um viel mehr als um das Verabreichen von Kalorien. Die ganze Familie braucht diese Oasen, um an Leib und Seele auftanken zu können. Mahlzeiten sind also nicht geeignet, um mit den Kindern Benimmdichkurse durchzuführen, den schulischen Erfolg im Verhörstil abzufragen oder den Arbeitsplan für den schulfreien Nachmittag durchzupauken. Sie sollten vielmehr als eine Zeit der Gemeinschaft und des ungezwungenen Austauschs gestaltet werden, wo die Kinder ihre Erlebnisse erzählen und ihre Enttäuschungen abladen können und wo sie ermutigt werden. Diskutieren sie über „Gott und die Welt“. Sammeln sie die Themen, die sie mit dem einzelnen Kind später aufnehmen werden. Nach dem Essen  und mit vollen Bäuchen lassen sich Probleme leichter ansprechen. Als Moderatoren haben sie es in der Hand, was bei den Mahlzeiten besprochen wird.

Nicht nur für Kinder gibt es deshalb Verhaltensregeln, sondern auch für die Eltern:

  • Kinder nicht vor den Geschwistern blossstellen: Jedes Kind hat ein Recht auf  Intimität.
  • Persönliche Probleme unter vier Augen besprechen: Die Strategie gegen schlechte Noten kann nachher besser erarbeitet werden.
  • Keine Reizthemen aufnehmen: Der Ausgang der Teenietochter wird in einer ruhigen Minute ausdiskutiert.
  • Keine schlechten Kommentare über das Essen zulassen: Menuvorschläge werden nach dem Essen gerne entgegen genommen.

Ihr persönlicher Knigge

Die Essgewohnheiten verändern sich. Das Fastfoodzeitalter hat auch in den Familien Fuss gefasst. Als Eltern haben wir jedoch die Verantwortung, die Kinder gesund und ausgewogen zu ernähren. Dies kann auf unterschiedliche Art geschehen. Beantworten sie deshalb für sich die folgenden Fragen. Es gibt darauf nicht die einzig richtige Antwort, sondern ihre Regeln müssen zu ihrer Familie passen - dann aber konsequent durchgeführt werden.

  • Wann: Legen sie Wert auf regelmässige Mahlzeiten ohne Radio oder Fernsehbegleitung?
  • Wer: Müssen alle von Anfang bis Ende an der Mahlzeit teilnehmen? Welche Begründungen für Verspätungen oder verfrühten Abgang werden akzeptiert?
  • Wo: Gibt es eine regelmässige Sitzordnung? Es lohnt sich, die Kinder bewusst zu setzen, beispielsweise das schwierige Kind zwischen die Eltern, wo es eng betreut wird.
  • Wie: Welche Tischmanieren wünschen sie? Da wir nicht in Indien oder in China leben, ist wohl das Essen mit Besteck sinnvoll.
  • Was: Was wird gegessen und wer bestimmt den Menuplan? Kinder brauchen eine gesunde und ausgewogene Nahrung, die sie als Eltern zusammenstellen. Sie bestimmen, ob die Kinder von allem etwas versuchen müssen, oder ob sie auswählen wie im Selbstbedienungsrestaurant.

Legen sie ihre persönlichen Essensregeln schriftlich fest und besprechen sie sie mit allen. Machen sie sich klar, dass ihre kleinen Racker bei der nächsten Gelegenheit testen, ob sie die Regeln auch wirklich durchziehen werden. Überlegen sie sich also im Voraus mögliche logische Konsequenzen für ein Fehlverhalten. Mit einer Prise Konsequenz und Humor gewürzt, werden ihre Mahlzeiten bald zu einem Genuss.

Mögliche logische Folgen:

Die Folgen werden vorher besprochen und ohne Schelten, ruhig, freundlich und bestimmt durchgeführt.

  • Bei Verspätung: das Menu besteht aus Brot und Wasser
  • Bei Motzen über das Essen: Das Essen wird sofort entzogen ohne Ersatz bis zur nächsten Mahlzeit. Das Kind hilft bei der nächsten Mahlzeit beim Kochen.
  • Schlechte Tischmanieren: Das Kind verlässt seinen Platz am Tisch, muss evtl. allein essen.
  • Negative Bemerkungen über Anwesende: Das Kind übernimmt eine Arbeit für das beleidigte Geschwisterkind.
  • Die Kinder erhalten zuerst eine gelbe Verwarnungskarte wie im Fussball. Beim zweiten Regelverstoss gibt es rot – d h. die Folge tritt ohne Diskussion ein, wie in der Championsligue.


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